[Artikel] Indie, DKZ, Dienstleister – alles dasselbe?

Ich schreibe ja relativ selten Beiträge – ich denke mir immer, mein Leben ist nicht spannend genug, und wer keine Manuskripte beendet und wegschickt, kann auch nichts von Veröffentlichungen mitteilen 😀

Heute möchte ich mich aber doch mal zu Wort melden, und zwar mit einer Sache, die vor allem veröffentlichungswillige Autoren betrifft. Die Abgrenzung „DKZ, Dienstleister, Verlag“ begegnet mir normalerweise nur in Autorenforen, so dass ich meine Meinung (falls nicht schon geäußert) gezielt dort abgebe. Nun bin ich jedoch zufällig über Facebook damit konfrontiert worden. Entsetzt war ich vor allem über die Äußerung:

DKZV ist doch wie Selfpublishing, nur professioneller.

Ähems – nein!

Da ist es mir doch mal ein Bedürfnis, hier in aller Kürze etwas Aufklärungsarbeit zu leisten.

I. Der klassische Verlag
II. Der DKZ
III. Dienstleister
IV. Ist DKZ dasselbe wie Indie, nur professioneller?
V. Links

I. Der klassische Verlag – Der Autor schreibt und das wars.

Bei einem klassischen Verlag zahlt der Autor NICHTS für seine Veröffentlichung. Er wird dafür im Gegenteil bezahlt, entweder über einen Vorschuß (nur bei großen Verlagen) oder mit einer Tantiemen-Abrechnung am Jahresende.

Je nach Thema und Stil (dazu gibt es das schöne Wort „Markttauglichkeit“) passt ein Manuskript in das Programm eines großen oder eines kleineren Verlages. Romane aus einem Kleinverlag sind somit nicht per se „schlechter“ als die aus großem Hause. Oft bedienen sie ein Nischenthema, sind Trendsetter oder haben eine besonders originelle Umsetzung, die nicht markttauglich erschien.

Wer gezielt Bücher aus Kleinverlagen suchen möchte, kann dies über die neue Plattform Amrûn tun. Der Vorteil für euch: ihr findet dort nur Bücher aus Kleinverlagen oder von Indies, der Vorteil für den Autor: sein Verlag zahlt nicht die unverschämten Großhandelsrabatte von Amazon und kann seinem Autor mehr Tantiemen ausbezahlen.

II. Der DKZV – verdient sein Geld mit dem Autor, nicht mit den Büchern.

DKZV steht für DruckKostenZuschußVerlag und umfasst alle Verlage, bei denen die Kosten auf den Autor abgewälzt werden. Gerne wird damit geworben, dass Goethe ja auch für seine Bücher bezahlen musste, dass der Verlag so klein ist, dass es nicht anders geht, dass das nur ein vorübergehende Lösung ist etc…
Faktisch gesehen sieht die Verlagslandschaft heutzutage anders aus. Heute, fast 200 Jahre nach Goethes Tod, ist – das – einfach – anders. Technische Neuerungen wie das Print-on-Demand-Verfahren ermöglichen auch den Druck kleiner Auflagen, so dass sie kein Verlag den Kopf zerbrechen muss, wie er die Kosten der Auflage, Lagerung etc decken muss.

Ein Merkmal von DKZV’s ist zudem, dass die Kosten unverhältnismäßig groß sind: Tausende von Euros werden von dem Autor verlangt. Schnell ist man da über die 10.000er-Marke hinaus. Das deckt nicht nur den Druckkosten-“Anteil“ (wieso „Anteil“, wenn der Autor alle Kosten trägt?), Cover, Lektorat – sondern auch noch ein großzügiges Gehalt für den Verleger.
Denn der DKZV verdient sein Geld mit dem Autor; er hat kein Interesse an der Bucherstellung.

Bei vielen DKZV’s wird von den geprellten Autoren berichtet, dass professionelles Lektorat oder Covergestaltung nicht statt gefunden haben. Denn der DKZV hat kein Interesse an der Buchherstellung, er verdient sein Geld mit dem Autor.
Ein gutes Beispiel ist der Test, den ein Autorenteam unter Pseudonym durchführte: 9 Seiten schlechtester Schreibstil, und dazu etliche Seiten nicht dazu gehörende Kopien anderer Werke. Doch laut dem Zeitschriftenartikel über diese Aktion wollten Wagner Verlag, R.G. Fischer Verlag und andere DKZ’s das ganze drucken. Gegen 4-5stellige Summen, natürlich.
Bei dem Meister der Branche (der große Verlag mit den besten Anwälten der Welt, weswegen ich auf Namensnennung verzichte) wird sogar von den Autoren eine vierstellige Summe verlangt, um die nicht abverkaufte Auflage zu vernichten – eine Auflage, die gar nicht gedruckt wurde.

Nun gibt es aber genug Autoren, die so sehr ihr Buch veröffentlichen wollen, dass sie bereit sind, dafür zu zahlen. Nun, wer einmal einen Roman in einem kostenpflichtigen Verlag veröffentlicht hat, gilt für seriöse/klassische Verlage als verbrannt, aber wenn man es denn unbedingt möchte… sollte man sich zumindest einen Dienstleister-Verlag aussuchen, die nicht-ganz-so-schlimme-Version. (Auch bei einer Romanveröffentlichung dort gilt der Name als verbrannt.).
Die DKZV’s sind ja nicht dumm; sie haben schon gemerkt, dass DKZ verpönt ist, das Wort „Dienstleister“ aber positiver besetzt ist: nennt man sich halt so. Die Bezeichnung alleine ist kein Kriterium für das, was dahinter steckt.

III. Dienstleister-Verlag – Die Bucherstellung wird über den finanziellen Einsatz des Autors realisiert

Sogenannte Dienstleister-Verlage sind eine neue Form von Verlagen, die in jüngerer Zeit aufgekommen sind. Wer den Traum hat, seine Bücher langfristig zu veröffentlichen (vielleicht sogar in einem großen Verlag?), ist hier Fehl am Platze. Denn auch hier gilt das Prinzip mit dem „verbrannten“ Namen, und seriöse Kleinverleger gehen die Wände hoch, wenn sie von „guten Verlagen mit niedrigen Preisen“ hören.

Aber – man muss auch die andere Seite sehen. Die der Autoren, die hereinfallen.
Es gibt genug Autoren, die so dringlich veröffentlichen wollen, dass ihnen die Standards und Maßstäbe der klassischen Verlagsbranche egal sind. Leute, die keine Geduld haben abzuwarten, bis die Zeit für ihr Thema gekommen ist. (Ich kenne einen Autor, der nach 10 Jahren Klinken putzen sich auszusuchen konnte, bei welchem großen Verlagshaus er veröffentlichen möchte – sowas klappt natürlich nur mit Geduld.)

Und auch wenn ich das nicht verstehen kann (ich gehöre zu den zweiflerischen Perfektionisten, die nie etwas fortschicken), tut es mir immer unendlich leid, wenn ich von einem entfernten Plattform-Bekannten lese, der an einen DKZ geraten ist, weil er es nicht besser wusste.

Falls ihr also sicher seid, dass ihr die Veröffentlichung wollt (Memo: ihr geltet dann für die klassische Branche als verbrannt), dann sucht euch doch bitte wenigstens einen Dienstleister-Verlag statt einen DKZ. Der Unterschied: diese leisten ein Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung, machen häufig sogar aktiv Werbung. Und vor allem sind sie billiger. Denn sie leben nicht davon, Autoren abzuzocken indem sie tausende von Euros für PRAKTISCH Nichts nehmen. Es wird etwas für das Geld geleistet, es wird ein Verlagsgeschäft betrieben – allerdings mit zweifelhaften Methoden, wenn man von der klassischen Branche ausgeht.
Das war grade eine erneute Wiederholung, aber man kann es nicht oft genug betonen: wer Ernst genommen werden will als Autor, wer mehrere Bücher veröffentlichen will oder davon träumt, den Sprung in die Auslage der Buchhandlung zu schaffen, ist bei beiden Formen absolut fehl am Platze.


IV: Ist DKZ dasselbe wie Indies, nur besser/professioneller?

So, nachdem bei allen die Begrifflichkeiten geklärt sind, komme ich zu der Eingangsfrage: Ist DKZ wirklich dasselbe wie Indie (oder vielleicht sogar besser)? Kommt es aufs Gleiche raus, woman veröffentlicht?

Diese Frage muss man ganz klar verneinen.

Auf den ersten Blick sieht es vielleicht gleich aus, denn man zahlt ja in beiden Fällen etwas. Aber es gibt doch bei der Umsetzung und dem Ansehen große Unterschiede.

Bei einem DKZ ist immer ungewiss, ob die bezahlte Leistung überhaupt erbracht wird; wie man gelesen hat, verdienen die in erster Linie durch die Autoren ihr Geld und haben kein großes Interesse an Erstellung und Vertrieb der Bücher.
Die Tantiemen, die man bekommt, zahlt man sich im Endeffekt eigentlich selbst, denn alle Kosten wurden vom Autor getragen, und somit sind die Tantiemen, die man „vom Verlag“ bekommt, der reinste Hohn.

Im Gegensatz zum DKZ verdient man als Indie also etwas. (Sobald er seine eingesetzten Kosten für Lektorat etc reingespielt hat.)
Aber auch das Ansehen ist besser – vorausgesetzt, man hat unter Beweis gestellt, dass man zu den ernsthaften Indie-Autoren gehört, die nicht einfach eine Erstversion des Werkes auf den Markt werfen und von dem Verdienst sich ein Lektorat gönnen, falls die Leser über die vielen Fehler moppern. Ja, so eine Reihenfolge habe ich als Ratschlag im Amazon-Forum gelesen. Das muss man auch gar nicht mehr weiter kommentieren.

Es gibt einige Erfolgsbeispiele von Indie-Autoren, die den Sprung in die großen Verlage geschafft haben, wie Amanda Hocking oder als deutsches Beispiel Nele Neuhaus. Andere Indies bleiben bewusst verlagsunabhängig, um mehr Kontrolle und auch Verdienst zu haben.
Dagegen wird es niemals geschehen, dass ein großer Verlag bei einem DKZ (oder meinethalben auch Dienstleister) an die Türe klopft und einen Autoren abwerben will.

Der Ruf von DKZ und Dienstleistern ist einfach mies. Zu Recht, denn klassischerweise läuft es umgekehrt, der Autor wird vom Verlag bezahlt, nicht umgekehrt.
Das muss man sich immer bewusst machen, bevor man sich zur Unterschrift in einem Dienstleister entscheidet. (Hoffentlich „nur“ Dienstleister und nicht ein DKZ.)
Was auch immer man als Autor nun persönlich von Dienstleistern/DKZ halten sollte oder wie sehr man sich eine Veröffentlichung seines Manuskriptes wünscht – man muss sich immer vor Augen halten: Der Name ist dann verbrannt.

Ist es da nicht besser, ein bisschen abzuwarten?
Meine mutigeren Autorenkollegen berichten, dass sie nach Bewerbungen bei Verlagen (oder vor allem Agenturen) teilweise keine richtigen Absagen bekamen, sondern gefragt wurden, ob sie denn ein anderes Manuskript zur Prüfung hätten.
Es schadet also nie, wenn man etwas in der Schublade hat!

Oder wer seine Manuskripte nicht verstauben lassen will, und einfach nur Leser bekommen möchte, kann natürlich als Indie-Autor durchstarten. Dann aber bitte mit professionellem Lektorat, Korrektorat, Cover; dies ist der einzige Weg, wie man Ernst genommen wird oder Erfolg haben kann.

Wer nun vom Weg des klassischen Verlags überzeugt ist, hat verschiedene Möglichkeiten: wer große Verlage anstrebt, bewirbt man sich lieber bei einer Agentur (auch hier gilt: die bekommen vorab kein Geld!!).
Bei Bewerbungen für Kleinverlage immer beachten, ob überhaupt noch Manuskripte angenommen werden; viele haben Stammautoren.
Generell sollte man eine sehr sorgfältige Bewerbung los schicken, die exakt auf den geforderten Bedingungen basiert – wie bei jeder Bewerbung eben.
Hilfe findet man in den zahlreichen Autorenforen, da kann man auch Informationen über die angestrebten Verlage bekommen.
(Ich empfand am hilfreichsten: Tintenzirkel, Geschichtenweber, Schreibwerkstatt.)
Die Erfahrungen eines leidgefprüften Verlegers findet man in dem Blog Verlagsgeplauder (Gastrubrik des Blogs Verlorene Werke).

V. Links:
über DKZ
Einführungsartikel aus dem Autorenforum Montsegur
Der Zeitungsartikel über den Nico-Beutlich-Test mit dem schlechtesten Manuskript der Welt
Das Aktionsbündnis für faire Verlage (Vorsicht – geht hierbei immer nur danach, ob die Verlags-Homepage das Fairlag-Logo aufweist! DKZ’s dürfen das Logo nicht führen, aber sie erwähnen das Aktionsbündnis gerne ganz verschwurbelt – es klingt so, als hätten sie das ganze initiiert. Tatsächlich wurde es ja als Aufklärungsinstrument gegen sie selbst erfunden! Tja, mit geschickten Formulierungen ist alles machbar. Sollten wir jemals in Schwierigkeiten mit dem Gesetz kommen, müssen wir uns von diesem „Verlag“ einen Anwalt empfehlen lassen)

Links mit seriösen Verlagen:
Die Liste des Autorenforums Schreibwerkstatt
Eine unvollständige Liste von Kleinverlagen
Die Uschtrin-Liste, zu finden im „Handbuch“

Zu Selfpublishing:
Artikel aus dem Literaturcafe, von bekannten deutschen Indies
Eine Liste mit 10 Fehlern, die man nicht machen sollte (auf Englisch).

 

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3 Antworten auf [Artikel] Indie, DKZ, Dienstleister – alles dasselbe?

  1. Melanie sagt:

    Zwar fließt ihre eigene Meinung sehr stark in den Text ein, auch die Tatsache, dass sie gegen DKZs sind (völlig gerechtfertigt), allerdings finde ich die Unterscheidung zwischen DKZ und Dienstleister sehr wichtig. Viel zu oft wird beides in einen Topf geworfen. Ja beide stehen in der Buchbranche in einem sehr schlechten Licht und die meisten haben sich das auch redlichst verdient. Das man bei klassischen Verlagen als „verbrannt“ gilt, wie sie des öfteren erwähnten, war mir bisher so nicht bekannt. Trotzdem denke ich, dass Dienstleister wie z.B. der Frieling Verlag (Beim Nico-Beutlich Test der einzige der abgelehnt hat) durchaus ihre Rechtfertigung haben. Denn schließlich präsentieren sie sich als Dienstleister und spielen mit offenen Karten (http://www.frieling.de/buch-veroeffentlichen). Die Prüfung des Manuskriptes ist kostenlos und man erhält dafür ein Angebot. Ablehnen kann man dann immernoch. Wer also nicht vorhat zum Bestsellerautor zu werden sondern professionell und ohne den Arbeitsaufwand des Self-Publishings sein Buch veröffentlichen will, warum nicht.

    Fazit: Den schlechten Ruf hat die Branche nicht ohne Grund, das bedeutet jedoch nicht, dass dieser unbedingt immer gerechtfertigt ist.

    • mearafinnegan sagt:

      Das ist immer eine Ansichtssache. Transparenz ist entscheidend!

      Ich vergleiche das z.B. gerne mit der Anti-Baby-Pille: da sind z.B. die Risiken der neuen Pillengeneration ziemlich unter den Tisch gefallen, das Thromboserisiko ist 5 x höher, es gibt einige bestätigte Todesfälle, die auf diese Pilleneinnahme zurück zu führen sind.
      Jetzt gibt es eine Selbsthilfegruppe, die gerne als „sind gegen die Pille“ wahr genommen wird. Nein, das sind die Damen nicht. Sie sind gegen Verharmlosung, gegen Intransparenz und gegen die clevere Umgehung des Werbeverbots seitens der Pharmafirmen.
      Sie sind FÜR offene Karten und Transparenz, so dass jede Frau über alle Informationen fügt und eine selbstständige Entscheidung für oder gegen dieses Medikament fällen kann; und genau diese Einstellung finde ich vergleichbar.

      Ich persönlich „kenne“ zum Beispiel praktisch nur Menschen, die langfristig schreiben möchten oder sogar davon träumen, vom Schreiben zu leben. Da ist ein Dienstleister/DKZ der absolut falsche Weg.
      (Und über solche Menschen kam diese These auf, die ich als Anlass zu dem Artikel nahm.)

      Für andere Projekte aber kann das eine bequeme Alternative sein, vielleicht sogar für reine Geschenkbücher/Jubiläumsbücher eine Alternative zum Copy Shop: fast kein technisches Wissen etc erforderlich.
      Wichtig ist eben, dass die „ernsthaft strebenden“ Autoren nicht von scheinheiligen Argumenten in die Irre geführt werden, und dass die Zielgruppe von Dienstleister-Verlagen die Abgrenzung zum DKZ hat und einigermaßen Preistransparenz hat.

  2. Melanie sagt:

    Dahingehend kann ich Ihnen nur zustimmen. Transparenz ist in vielen Bereichen heutzutage erforderlich, wie auch ihr Beispiel, welches übrigens sehr anschlaulich ist, verdeutlicht.
    Es wäre in jedem Fall sehr wünschenswert, wenn mehr Menschen diesen feinen Unterschied erkennen würden.
    Danke für die Antwort, regt sehr zum nachdenken an.

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