[Artikel] Das Erstellen einer Normseite mit OpenOffice

… und vermutlich auch mit LibreOffice.

Ich ärgere mich immer mit den verschiedenen Vorlagen der Normseiten herum. Mal steht im Beschreibungstext eine Erklärung oder Werbung, die man nicht weg löschen kann (dieser Beschreibungstext erscheint automatisch, wenn man mit den Cursor über den Dateinamen fährt), mal ändert sich nach dem Abspeichern der Vorlage auf meinem Server die Zeilenanzahl, obwohl doch dabei stand, dass es für OpenOffice erstellt wurde. Deswegen möchte ich eine Normseite mit Zeilennummerierung haben, und das besitzen die wenigsten Vorlagen.
Also habe ich mir aus diversen Quellen eine Anleitung zusammen gesucht, wie ich diese Normseite genau nach meinen Wünschen erstellen kann: mit Zeilennummerierung, mit Einzel- und Gesamtseitenzählung in der Kopfzeile.
Das hat eine Weile gedauert, denn ich bin ein bisschen doof, sobald es um Software geht, und brauche immer eine ganz genaue Beschreibung, wo ich was anklicken muss. Die meisten Anleitungen oder Erläuterungen zur Normseite sind leider für Menschen gedacht, die ihr Schreibprogramm gut kennen und mehr machen als tippen und abspeichern.
Den letzten Hinweis bekam ich heute von Sabrina Železný, die mir das Generieren einer Zeilennummerierung erklärte.

Und weil ich soviel danach suchen musste, habe ich beschlossen, das mal in einem eigenen Blogartikel zu erklären. Für alle Autoren, die auch kein Händchen für Software haben und eine genaue Anleitung brauchen. Außerdem weiß ich dann selbst ganz genau, wo ich noch einmal nachsehen muss, wenn ich vergessen sollte, was ich da gelernt habe 😉

 

Aber erst einmal: wofür braucht man die Normseite überhaupt?

Schön ist anders.
Die Normseite stammt noch aus der Zeit, als man mit Schreibmaschinen schrieb. Man musste sich einfach auf ein bestimmtes Format einigen, dass als Berechnungsgrundlage für das Honorar von Autoren, Lektoren, Übersetzern, Journalisten etc dient.
Heute kann man nicht einfach an der Schreibmaschine einen Hebel verschieben und fertig, es ist (für den einen mehr, für den anderen weniger) aufwändig am Computer einzustellen. Aber die Normseite wurde beibehalten und 1992 vom Börsenverein des Buchhandels mit dem Verband Deutscher Schriftsteller in dem vereinbarten Normvertrag als Richtlinie festgelegt.
Auch Verlage wünschen ihre Einsendungen als Normseite – bzw. muss man ja in der Regel nur eine Leseprobe einsenden. Die Umfangsangabe des Gesamtmanuskriptes in der Bewerbung wird als „Anzahl in Normseiten“ verlangt. So können sie die Länge des Manuskriptes einschätzen und rechnen es in gedruckte Buchseiten um.

Mir sagte mal ein Autor, als grobe Faustregel könne man 1:1 nehmen: 1 Normseite entspricht später einer Buchseite. Das ist natürlich sehr vage, denn viele Verlage haben unterschiedliche Buchformate (und Schriftgrößen sowieso), so dass sich dieser Wert je nach Verlag ändert. Vielleicht sind es doch 1,15:1 oder 1,25:1, aber man kann es so immerhin etwas besser abschätzen als wenn man den Bildschirm anstarrt und einfach rät. 😉
(Wer es genau wissen will und besonders viel Zeit hat, tippt mal 10 Seiten eines Buches vom Wunschverlag ab und kopiert den Text in das Normseitenformat. So kann man sich dem individuellen Umrechen-Wert des jeweiligen Verlages vielleicht eher nähern. Natürlich sollte man beachten, dass man – falls der Verlag mehrere Genre verlegen sollte und diese in unterschiedlichem Format erscheinen – auch das richtige Genre aus dem Bücherregal heraus greift.)

 

Wie sieht eine Normseite aus?
Die Normseite enthält maximal 30 Zeilen mit je maximal 60 Anschlägen.
Somit enthält sie – maximal – 1.800 Anschläge (bzw. Zeichen inkl. Leerzeichen). Durch diese unschöne Schriftart nimmt jeder Buchstabe genau denselben Platz ein, da es eine nicht-proportionale Schriftart ist. Rechts ist ein breiterer Rand für Korrekturen.
Üblicherweise enthält sie Kopf- und Fußzeile, in denen die Seitennummerierung und die Angaben zum Manuskript zu finden sind.
Falls man nun nicht sofort eine Normseite formatieren möchte, sondern seinen Text umrechnen will, sollte man nicht den Fehler machen und einfach die Rechnung „Zeichen (inkl. LZ) / 1.800 Zeichen“ aufmachen, denn dann kommt vermutlich ein falsches Ergebnis heraus. 1.800 Zeichen passen nur auf die Normseite, wenn sie wirklich vollgeschrieben ist. Bei Dialogen verkürzen sich die Zeilen jedoch, da man für jeden Sprecher eine neue Zeile beginnt und somit des öfteren die halbe Zeile (oder mehr) frei bleibt. Deswegen empfiehlt die VG Wort, dass man eine solche Rechnung mit 1.500 Zeichen überschlagen sollte.

 

Das Erstellen einer Normseite

Als erstes ein neues Dokument öffnen, und über „Format/Seite“ ein neues Fenster aufrufen. Bei den verschiedenen Reitern oben „Seite“ auswählen und dort die Abstände der Seitenränder ändern: Rechts muss 3,76 haben, oben und unten jeweils 1,20.
(Falls die Bilder zu klein angezeigt werden: mit gleichzeitigem Drücken von Strg und + könnt ihr vergrößern. Mit Strg und – wieder verkleinern.)

So. Dann oben auf den Reiter „Kopfzeile“ klicken. Dort mit einem Häkchen „Kopfzeile einschalten“ setzen. Die anderen Optionen werden auf einmal anklickbar, das Häkchen unmittelbar darunter ist schon gesetzt.
Darf auch so bleiben.
Geändert wird der Abstand und zwar auf 0,20 cm.
Eigentlich sollte weiter nichts angeklickt sein – sollte jedoch bei „Dynamischer Abstand“ ein Häkchen gesetzt sein, so muss dieses entfernt werden.

Die Fußzeile wird nach demselben Prinzip erstellt.

Dann geht man über „Format/Zeichen/Schrift“ und stellt die Schriftart ein. Man braucht „Courier New“ sowie „Standard“ und Schriftgröße 12. Bei mir war bis auf die Schriftart alles korrekt eingestellt.

So.
Haben wir’s bald?
Fehlt noch was?
Achja, vielleicht der Abstand, damit wir nur 30 Zeilen haben. Dazu geht man auf „Format/Absatz/Einzüge und Abstände“. Das Letzte musste ich nicht anklicken, das war schon der offene Reiter. Dort werden nur 2 Sachen geändert: unten links wird bei der Auswahl „Zeilenabstand“ die Option „Fest“ angeklickt. Daraufhin erscheint rechts eine Option mit Maßangaben, dort wählt man 0,85. Weil das Ganze in Zehnerschritten voran geht, kann man nicht mit dem Pfeilen hochklicken, sondern muss mit dem Cursor in das Feld hinein klicken und das Ganze von Hand eingeben.

Dann wäre die Normseite eigentlich fertig. Aber ich persönlich möchte wie gesagt Zeilennummerierungen haben. Dann sehe ich nämlich direkt, wenn mich meine Software wieder aufs Kreuz legen will und die Zeilen ändert.
Außerdem mögen Lektoren das angeblich. Bisher habe ich jedenfalls keine Beschwerde gehört und häufig bekam ich die Texte in anderem Normseitenformat – MIT Nummerierung – vom Lektor zurück.
Und wie das geht, hat mir die liebe Sabrina Železný erklärt: wenn man über „Format“ geht (einige haben dort vielleicht die Option „Nummerierung und Aufzählung“ gesehen, ebenso wie ich) ist das die falsche Möglichkeit.
Wir gehen also über „Extras/Zeilennummerierung“ und setzen ein Häkchen bei „Nummerierung einschalten“. Daraufhin kann man die anderen Optionen anklicken.
Wichtig ist ganz unten „Neustart am Seitenanfang“ – dort unbedingt ein Häkchen setzen!
Außerdem muss man bei „Intervall“ die gewünschte Zahl eingeben. Voreingestellt ist „5“, das bedeutet, es erscheinen nur Zahlen bei Position 5, 10, 15, 20, 25, 30. Das Intervall auf 10 hochzustellen, scheint mir nicht ratsam, das macht das ganze mit dem Benennen der Zeilen so mühsam, dass man sich dann das Nummerieren auch sparen könnte.
Ich persönlich wollte gerne JEDE Zeile nummeriert haben, also habe ich als Intervall 1 eingegeben.

Jetzt wäre man fast fertig.
Nur noch Kopf-/Fußzeile eintragen.
Ich handhabe es so, dass in der Kopfzeile der Name des Manuskriptes und der Autorenname sowie die Seitennummerierung auftauchen. In der Fußzeile sind dann die Kontaktdaten zu finden.
Auch für die Seitennummerierung gibt es bestimmte Klicks: Hierzu erstmal in der Kopfzeile die gewünschten Angaben eintragen (in meinem Fall Manuskript-/Autorenname) und dann: „Einfügen/Feldbefehl/Seitennummer“.

Perfekt. Wobei… Steht da ein bisschen einsam vor sich hin, die Seitennummer. Besser wäre es, wenn auch die Gesamtanzahl der Seiten dort steht. Also tippe ich ein „von“ (das v wird bei mir automatisch groß, das muss man zurück ändern) und dann muss ich die Gesamtanzahl der Seiten dorthin bekommen. Das funktioniert praktisch genauso, vielleicht hat einer schon eben diese Option bemerkt.

Wir klicken also wieder: „Einfügen/Feldbefehl/Gesamtanzahl der Seiten“.

 

Endlich fertig.
Eine wunderschöne nummerierte Normseite.
Jetzt müsst ihr nur noch für den qualitativen Inhalt sorgen 😉

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