Leipziger Buchmesse 2014

Wie jedes Jahr treffen sich die Bibliophilen, Autoren, Verlage und Cosplayer in Leipzig.
Dieses Jahr gab es jedoch eine Neuerung: die Fantasybereiche wirkten etwas nüchterner als bisher. Es fehlte die enorme Menge an Cosplayern, die sonst die Fantasybereiche durchstreiften. Doch die für sie interessanten Stände, Bühnen und so weiter haben nun einen Platz in Halle 1 gefunden, so dass einzig die Fantasyfans unter den Cosplayern durch die Gänge wandeln.
Wer also Dutzende Fotos von den schönsten Kostümen machen wollte, musste sich in andere Bereiche der Buchmesse begeben und konnte das nicht neben seinem Fantasystreifzug „mitnehmen“.

Kleine Vorab-Informationen direkt aus der Quelle
Die Leipziger Buchmesse eignet sich immer gut, um schonmal einige kleine Vorab-Informationen zu bekommen. Zum Beispiel erfährt man dann, dass  ein Autor eine Reihe in nächster Zukunft nicht sofort weiterführen wird, dafür aber, dass ein neues Projekt geplant ist, und welches Genre/Altersgruppe dies hat. (Da Google noch nichts dazu ausgespuckt hat, behalte ich den Namen mal für mich, obwohl das wie gesagt recht vage Informationen waren.)
Der Arcanum Fantasy Verlag (inzwischen übernommen von dem Scratch Verlag) bemüht sich, die von mir geschätze Kurzromanreihe Weltenwanderer neu aufzulegen: mehrere Bände sollen in einem normalen Buchformat erscheinen. Aktuell stehen jedoch die Verhandlungen mit den Autoren an, von denen zumindest einer schon anderweitige Veröffentlichung geplant hat. Es kann also noch eine Weile dauern. Vielleicht finden sich aber schon in absehbarer Zeit 3-6 Autoren (wie viele Bände auch immer in einen Roman gepackt werden sollen). Da ich nur damals nur 4 Bände gekauft habe und 2 verliehen-verloren sind, würde mich eine Neuauflage sehr freuen.
Damit das nicht noch einmal passieren kann, habe ich direkt „Weißblatt“ von Peter Hohmann eingepackt, was mich schon länger gereizt hat.

Die größte Kleinverlags-Buchhandlung von Deutschland
Mich reizt an der Buchmesse gerade, dass ich dort die Bücher der kleinen Verlage sehen, anfassen und einige beliebige Seiten lesen kann. Sonst habe ich nur das Cover, einige wenige Rezensionen und eine festgelegte Leseprobe (falls vorhanden).
Dieses Jahr habe ich mir nur Bücher aus Kleinverlagen gekauft, darunter 2 weitere Kurzromane: „Nachtjägerherz“ von Tina Alba, ein Fantasykrimi um eine Gestaltwandlerin, die ihre Unschuld in einem Mordfall beweisen muss. Von Tina besitze ich bereits „Feuersänger“, natürlich noch ungelesen. (Mein Freund zieht mich auf, dass ich Bücher horte – kein Wunder, wenn ich befürchten muss, dass es nicht mehr verkäuflich sein wird. Siehe Weltenwanderer, und „Feuersänger“ gibt es auch nur noch antiquarisch)
Dann wollte ich unbedingt ein Buch von Sabrina Zelezny kaufen, die als Altamerikanistin in ihren Romanen immer einen Peru-Bezug hat. Da ich und Südmaerika nie ganz warm geworden sind, habe ich mit dem mystisch-historischen Kurzroman „Antayawar“ aus dem TextLustVerlag angefangen.
Dort habe ich die Autorin Tatjana Stöckler angetroffen. Nachdem ich der irrigen Idee verfiel, dass Sabrina sicher mit unseren Autorenforums-Kollegen an einem Tisch zusammensäße (den es dieses Jahr irgendwie nicht gab), habe ich mir noch schnell „Straka“ am Stand des Machandel-Verlages besorgt. Ich besitze es zwar schon als Ebook, wollte es jedoch signiert an ein kleines Mädchen verschenken: eine ganz süße und für alle Altersgruppen lesbare Geschichte über ein Goblin-Mädchen, das Ritter werden will. Eine Fantasygeschichte, die nicht nur mit Vorurteilen über Goblins, sondern auch mit den üblichen Gut-Böse-Klischees aufräumt. (Und geschrieben wurde die Geschichte übrigens vor Pratchetts „Snuff“. Sie erschien nur eben später)
Leider kam ich erst auf die Signier-Idee als Sabrina schon ihre Verabschiedungsrunde machte, und habe sie nicht mehr erwischt..

Signierte Bücher
Das ist der zweite Anreiz der Buchmesse (oder von Cons), man kann von den Autoren direkt ein Autogramm bekommen. Eigentlich wollte ich diverse Bücher zur Buchmesse mitnehmen (hätte ich gewusst, wen ich treffe, hätte ich es versucht), dann wären die Taschen allerdings noch schwerer geworden. Ich muss mich wirklich mal um meinen eigenen Buchträger-Sklaven kümmern, vielleicht hat ein Cosplayer Interesse, diese Rolle zu übernehmen 😀 aber ich schätze die Chance als gering ein, da müsste ich eher in einem  Fetisch-Forum schauen oder so.
Beim Mondwolf-Verlag habe ich den ersten Band von Ingrid Pointeckers Reihe „Hüter des Uhrwerks – Der Wegstein“ gekauft. Ich empfand es als sehr positiv, dass die junge Frau am Stand (nicht die Verlegerin) mir direkt einige Fragen zu der Anzahl der Erzählperspektiven und deren Länge beantworten konnte, dann bemerkte ich irgendwann, dass es die Autorin selbst war 😀 Da konnte ich direkt eine Widmung in das Buch bekommen.

Jedes Jahr muss ich mir ein Buch bei Torsten Low kaufen, und dieses Mal wurden es die geheimnisvollen Bibliotheken. Dank Torstens Hilfe habe ich auch schon eine Signatur bekommen, leider war dies jedoch die einzige Autorin dieser Anthologie, die ich am Messesamstag fand. Wenn ihr auf der Messe seid, müsst ihr euch nie scheuen, nach Signierung zu fragen; auch und gerade die Anthologie-Autoren machen das gerne.
Weil ich Torsten so von einer Lesung vorschwärmte, die ich von ihm besucht habe, hat er für mein Foto auch einen „bösen Blick“ und den berühmten Pulli angelegt:
Torsten Low mit seinen Autorinnen Mara Laue (links) und Stefanie Mühlsteph (rechts).

Ihr neuester Roman „Blutschwur“ erschien kürzlich in Torsten Lows Verlag. Auch zu diesem hat er wieder einen schönen Trailer angefertigt.

Dann habe ich zufällig im Vorbeigehen Grit Richter vom Art Skript Phantastik Verlag getroffen. Leider hatte sie keinen Stand auf der Messe. Ich hibbel schon etwas auf das nächste Buch, das aus der Ausschreibung „Die Damen der Geschichte“ hervorgeht.  Dunkle Phantastik und Geschichte ist die perfekte Kombination für einen Geschichtsfan wie mich, und einige meiner Lieblingsdamen treten auf. Auf dem Blog des APS-Verlages hat Grit schon die 12 Persönlichkeiten genannt, die in den Geschichten eine Rolle spielen. Und ich glaube, ich kenne einige der Autoren, die dort verlegt werden (jedenfalls haben einige Geschichten mit diesen Damen eingesendet).

Bei Feder & Schwert wollte ich eigentlich den nächsten Harry-Dresden-Band besorgen – nur dumm, wenn man nicht mehr weiß, welche man schon im Regal stehen hat. Dafür konnte ich meinen Begleiter für diese Reihe begeistern, ich selbst habe mir die Steampunk-Anthologie „Eis und Dampf“ gekauft. Diese Anthologie hatte ich schon länger im Auge. Es ist ein Crowdfunding-Projekt gewesen (was ist Crowdfunding?).

Auch hier konnte ich direkt einige Autogramme sammeln. Eigentlich habe ich nur von Ann-Kathrin Karschnick eines holen wollen, den einzigen Autor dieser Anthologie, zu dem ich das Gesicht kannte. Doch sie sagte mir sofort, welche Autoren noch auf der Messe sind, und als sie bemerkte, dass ich bei den Herren das Aussehen leider nicht kenne, ist sie direkt losgestürmt, um mich hin zu führen, die ebenfalls in der Anthologie unterschreiben können. Eine unglaublich freundliche und hilfsbereite Person, voller Energie.


Ann-Kathrin Karschnick und Schemajah Schuppmann vom Papierverzierer Verlag. Ein kleines Suchbild wegen des großen Andrangs 😀 Zum Glück habe ich mir das Buch „Phoenix – Tochter der Asche“ schon vorher besorgt. Dazu gibt es einen ganz tollen Trailer. Ich finde die Sprecherin klingt etwas wie die Galadriel-Synchronsprecherin.
„Autor gesucht!“
Allgegenwärtig sind die Stände der „Verlage“, mit denen man jederzeit über eine Veröffentlichung sprechen kann – vorausgesetzt, man legt eine (manchmal mehr, manchmal weniger) stattliche Summe auf den Tisch.
Wie jedes Jahr hat sich einer meiner Freunde in die lange Schlange der hoffnungsvollen Autoren eingereiht, um zu sehen, wie sie ihre Bauernfängerei betreiben. Während er letztes Jahr einen aktiveren Part spielte und genaue Fragen zu den Veröffentlichungsmöglichkeiten und besonders den Kosten stellte, nahm er dieses Jahr eine passivere Rolle ein. Das führte zu interessanten Reaktionen, weil die Bezahlverlage ein so uneifriges, ruhiges Verhalten nicht gewohnt zu sein scheinen – in Verbindung mit seinen kritischen Fragen (sobald man ins Gespräch kam) scheint bei einigen der Eindruck entstanden zu sein, er sei kein veröffentlichungswilligen Autor. Jedenfalls wurde er an einigen Ständen ziemlich hofiert und er hatte den Eindruck, man hält ihn für eine gewichtige Person, die den Stand inkognito überprüft. Er hat sich natürlich gehütet, nachzufragen, für wen oder was man ihn genau hält 😀
Außerdem stellte er fest, dass die Bauernfänger extrem sorgfältig gekleidet sind und eher auf die Cebit passen würden, und noch dazu alle wie Models aussehen. So prägte er die sarkastische Maxime: Überdurchschnittlich gut aussehende Menschen hinter einem Verlagsstand sind verdächtig. :D
Vielleicht begleite ich ihn nächstes Jahr auf seiner Runde.

Die Gesichter zum Avatar
Auch dieses Jahr habe ich wieder extrem viele Leute gesehen, die ich zwar aus dem Autorenforum oder von Facebook „kenne“, vielleicht auch einigen Mailkontakt hatte, aber niemals persönlich getroffen habe. Wegen meinen und ihren Terminen und Gesprächen habe ich meist keinen Kontakt gesucht, meinen Begleitern jedoch immer erzählt, wer da hinten steht und was der Tolles auf die Beine gestellt hat. (Und natürlich zu allen Phantastikverlagen, was die machen, oder auf dem Weg zu anderen Hallen, welche Stände zu DKZs gehören.) Jetzt scheinen sie mich für ein wandelndes Who’s who zu halten 🙂
Mich selbst hat niemand erkannt, da ich aus irgendwelchen Gründen einmal ein Auge als Avatar wählte. Das hat eine sehr ungewöhnliche Form (schräg stehend aber dennoch irgendwie kullerrund) und ich habe es wegen der Unverwechselbarkeit behalten.
Vielleicht sollte ich mal den Avatar ändern, dann lernt man viele „neue“ Leute kennen.
Andererseits ist die Buchmesse für mich weniger das Event zur Vernetzung mit fremden (mir nur online bekannten) Autoren, sondern eher Treffpunkt mit meiner Autorengruppe.
So war das Programm an diese Wochenende auch eher damit angefüllt, meine 14 liebsten Autoren aus ganz Deutschland zu treffen, mit ihnen zu reden, den Film von unserem LARP anzusehen, mit Cor darüber zu streiten, wieviel Chili für 13 Personen gekocht werden muss, auf der Messe Basti fast verloren zu gehen, und am Sonntag die obligatorische Schwertkampf-Training durchzuführen.

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