[ABC-Tag] Anthologie

A

wie Anthologie:

Eine Anthologie (gr. ἀνθολογία = Blütenlese) ist eine Sammlung kürzerer Erzählungen. Sie enthalten fast immer Kurzgeschichten eines bestimmten Genres, in der Regel auch noch mehr oder weniger eingegrenzt auf ein bestimmtes Thema.
Verantwortlich für die Sammlung und in Lieferverzeichnissen und Rezensionen an der normalen Autorenstelle genannt ist der Herausgeber.

Große Verlage wie Heyne, Piper u.Ä. laden in der Regel Autoren ein (falls sie nicht die Lizenz einkaufen, eine englischsprachige Anthologie übersetzen und vertreiben zu dürfen.)

Ausschreibungen gibt es daher fast nur für Anthologien aus Kleinverlagen (eine Ausnahme bildete die Ausschreibung „5 Jahre – 5 Geschichten“ von Lyx im Jahr 2012).
Wichtig ist hierbei neben der Themenbeachtung die Zeichenbegrenzung, formale Richtlinien (diese können von Verlag zu Verlag schwanken), und häufig müssen Geschichten unveröffentlicht sein – auch Geschichten, die online (z.B. auf dem eigenen Blog) zu lesen waren, gelten meist als veröffentlicht.
Für die Teilnahme an einer seriösen Verlags-Ausschreibung entstehen dem Autor niemals Kosten! Auch nicht für Lektorat oder Korrektorat, und es gibt keine Mindestabnahme! Dagegen erhält man meist ein kostenloses Exemplar (Belegexemplar).
Wichtig ist auch das weitere Auftreten des Verlages: einige veranstalten Anthologieausschreibungen, die normal ablaufen, für Romanveröffentlichungen werden Autoren jedoch zur Kasse gebeten. Das sind keine traditionellen Verlage, sondern zumindest Dienstleistungsverlage (wenn nicht sogar DKZ), und die möchte man nicht in seiner Vita stehen haben.

Neue Kleinverlage beginnen ihr Programm gerne mit Anthologien, da man über diese Ausschreibungen schnell in der Szene als Verlag im Gespräch ist.
Ebenso fördert es die Bekanntheit eines Verlages, wenn statt einem Autor zehn oder fünfzehn von dem Erscheinen ihres Buches in Verlag x berichten, vielleicht sogar Lesungen abhalten oder Verlosungen machen. Als Autor sollte man sich, gerade bei seiner ersten Veröffentlichung, den Verlag jedoch genauer ansehen und sich nicht nur engagieren, weil man dort mit einer Geschichte vertreten ist.
Viele motivierte Verlagsgründungen sind nach Ablauf eines Jahres schon wieder Geschichte; nur die wenigsten überleben die ersten vier Jahre und können sich dauerhaft halten. Oft gibt es zudem Startschwierigkeiten in Bezug auf Lektorat, Covergestaltung oder interne Abläufe.
Autoren können mit der Teilnahme an einer Anthologieausschreibung die Arbeit eines Verlages kennen lernen und „testen“, bevor sie den Verla weiter empfehlen oder selbst ein längeres Manuskript dort anbieten.

Aktuelle Ausschreibungen finden sich auf der Seite der Wortmagier, auf der Autorenwelt (gehört zum Uschtrin Verlag), auf der Seite des Geest-Verlages, im Newsletter The Tempest des Autorenforum oder in Autorenforen wie der Schreibwerkstatt, den Geschichtenwebern oder dem Tintenzirkel.

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4 Antworten auf [ABC-Tag] Anthologie

  1. Sehr schön und sehr richtig zusammengefasst.

    Zwei oder drei Ergänzungen noch:

    1. Der Autor als Antholiewerbemaschine
    Für junge Verlage und (noch recht) kleine Verlage sind Anthologien ein sehr willkommenes Mittel, relativ rasch einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erreichen.

    Sie nutzen dabei die Tatsache aus, dass Autoren sich für ihre Werke im Allgemeinen einsetzen und die Bücher stolz präsentieren, daraus vorlesen und es in jeder möglichen Art der Welt vorstellen. Ein Roman hat meist nur einen Autor. Eine Anthologie hat oft zehn oder mehr (Co-)Autoren, also sofort eine zehnfach größere Reichweite.

    Das ist nicht von Vornherein etwas schlechtes. Es ist einfachj ein Mechanismus, den man kennen sollte. Dementsprechend sollte man aber auswählen, für wen man sich engagiert.

    2. Selbst „kostenfrei“ ist nicht immer vorteilhaft
    Diesen Mechanismus kennen natürlich auch die DKZ-Verlage. Oft bieten sie über Veröffentlichungen ebenfalls kostenfreie Antho-Veröffentlichungen an. So behaupten sie zurecht, dass eine erkleckliche Anzahl ihrer „Veröffentlichungen“ unentgeltlich ist.

    Diese Verlage kommen aber auch bei diesen Veröffentlichungen nicht zu kurz: Die Anthologien sind oft sehr schön gebunden und gut ausgestatte – und entsprechend teuer. So kommen sie sogar mit eingeräumten Autorenrabbatt auf ihre Kosten. Zudem können sie die Teilnehmer gezielt umwerben und zu einer Veröffentlichung drängen. Auch Antologieteilnehmer ohne Interesse an einer DKZ-Veröffentlichung werden immer wieder mit dubiosen nichtdotierten Buchpreise und ähnliche Schmeicheleien umgarnt und in der Folge mit Propaganda beballert.

    3. Schlechter Ruf färbt ab
    DKZ-Verlage haben einen schlechten Ruf und sehr viele auch völlig zurecht. Dieser schlechte Ruf ist in der Branche wohlbekannt. Jede Veröffentlichung in einem DKZ-Verlag ist da entweder ein Makel oder ein Grund für mitleidige Blicke. Selbst, wenn man nichts bezahlt hat. So veröffentlicht zu werden nützt hauptsächlich dem Verlag.

    Kein Ruf ist allemal besser als ein schlechter. Darum ist eine Antho eines blutjungen Verlages allemal besser als eine bei einem DKZ-Verlag.

    • mearafinnegan sagt:

      Den zweiten und dritten Punkt hatte ich auch drin, aber nicht so ausführlich erklärt wie Du.
      Vielen Dank dafür.

      Tatsächlich habe ich unterschlagen, dass und warum neue Verlage gerne mit Anthologien starten. Ich hatte vor allem im Auge, mein ABC so kurz wie möglich zu halten. Diesen Punkt habe ich ergänzt, danke für die Anregung.

  2. Siara sagt:

    Vielen Dank für die Zusammenfassung. Gerade die Tatsache, dass auch kostenlose Veröffentlichungen von Nachteil sein können, ist gut zu wissen und war mir neu.

    Und was die Werbung für die Verlage betrifft: Neuautoren haben es ziemlich schwer, und auf Anhieb einen Roman zu veröffentlichen, passiert sehr selten. Solange der Verlag seriös und kein DKZ ist, kann man auf diesem Wege vielleicht am leichtesten Zugang zur Branche finden. So ist es (wie du angemerkt hast) ja keine schlechte Sache, dass der Verlag den Autor nutzt, um Bekanntheit zu erlangen. Immerhin können beide davon profitieren. Umso wichtiger ist es, da stimme ich vollkommen zu, dass man sich im Voraus ein Bild über den Verlag macht und sich fragt, ob man ihn wirklich mit-repräsentieren möchte.

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