[Recherche-Tipps] Arbeit mit Quellen

Bevor man einen historischen Roman schreibt, sollte man sich natürlich gründlich informieren. Wie man das am besten macht, ohne sich zu verzetteln, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Nach einer groben Recherche geht bei mir plotten und recherchieren Hand in Hand; auf ein bestimmtes Jahr lege ich mich erst fest, wenn ich einen genauen Überblick über die Quellenlage habe. Hierbei ist sowohl eine gute Quellendichte als auch ausreichende quellenkritische Aufarbeitung und fachliche Publikation wichtig (in einer mir zugänglichen Sprache).
Mir persönlich ist auch ein wissenschaftlicher Diskurs wichtig, da Fachliteratur häufig einseitig ist. Das wissenschaftliche Selbstverständnis der unterschiedlichen Disziplinen unterliegt einem zeitlichen Wandel; je nachdem, in welche „Evolutionsphase“ des jeweiligen Fachgebietes die Bücher des Forschers fallen, sind Informationen (absichtlich oder unabsichtlich) in einen absoluten Zusammenhang gesetzt worden, wenngleich es viele Gegenstimmen im Fachbereich gibt – nur kommt man vielleicht nicht auf die Idee, nach diesen zu suchen, denn in dem Buch von Hrn. Prof. Dr. xyz ist doch alles so klar und deutlich dargestellt, es kann nur so gewesen sein.
Manche Wissenschaftler sind in ihrem Forschungsgebiet berüchtigt für zu schnelle Schlußfolgerungen, mangelhafte Argumentation, häufige Verwechslungen, falsches Zitieren, schlampige Publikationen mit falschen Informationen, Unterschlagen von Gegenstimmen oder Gegenbeweisen die nicht in das Bild passen – und gerade in neuerer Zeit spielt auch eine Rolle, dass in vielen Ländern die Forschung vor allem mit Fördergeldern finanziert wird. Im englischsprachigen Raum sind mir schon einige Publikationen aufgefallen, die auf Teufel komm raus einen halbwegs aktuellen historischen Bezug bzw. Vergleich herstellen, der teilweise nur zustande kommt, weil das eigentliche Forschungsobjekt dadurch zu einseitig bearbeitet werden kann.
Die entsprechenden Studenten und Wissenschaftler dieser Fachgebiete kennen das alles schon.

Wir nicht. Deswegen ist es unerlässlich, dass mehrere sekundärliterarische Werke (am besten aus verschiedenen Forschungsperioden) zur Information genutzt werden – vorzugsweise Fachliteratur, da die Autoren dazu neigen, für populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zusätzlich zu vereinfachen und besonders dort Quellen, die auf ein anderes Szenario hinweisen, keine Erwähnung finden.

 

Aber back to the roots: was ist eine Quelle überhaupt?
Jeder Text, jedes bildliche Darstellung, jeder Gegenstand aus einer bestimmten Epoche/Region ist eine Quelle, ebenso wie bauliche Überreste (bei letzterem sprechen Archäologen von einem Befund).

Gerade bei Textquellen und Bildquellen wird oft unterschieden zwischen Primär- und Sekundärquellen. Was es nun genau ist, hängt von dem Forschungsinteresse ab. Wenn ich z.b. einen antiken römischen Autor lese, weil ich an ihm selbst oder an von ihm selbst geschilderten Ereignissen interessiert bin, sind seine Werke in diesem Moment eine Primärquelle. Allerdings überliefern diese Autoren oft auch die Werke vergangener verstorbener römischer Historiker, die – je nach Autor – in vielen Teilen nicht direkt, sondern nur in Zitaten dieser späteren römischen Historiker überliefert sind. Wenn sich meine Forschung auf diese Seite des Manuskriptes konzentriert, verwandelt  sich die vorige Primärquelle auf einmal in eine Sekundärquelle.

Warum ist diese Unterscheidung nun wichtig? Durch Abschreibefehler, falsches Zitieren, Paraphrasieren oder bewusste Fälschung kann sich der Inhalt meiner Quelle verändert haben.

 

Jede Quelle, die ich als Grundlage für meine Recherche verwenden will, muss erstmal quellenkritisch beleuchtet werden.

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