[ABC-Tag] Kleinverlag

K

wie Kleinverlag.

Im Sprachgebrauch oder in Foren umfasst der Begriff meist alle Verlage, die nicht zu den großen Konzernen oder Unternehmen gehören. Die Grenzen zwischen kleinem und mittleren Verlag sind fließend und jeder definiert es anders.
Häufig wird als Kriterium dazu die Reichweite genommen (Verlage, die Verlagsvertreter bezahlen können und dadurch eine gewisse Buchhandelspräsenz besitzen, zählen dann zu den mittelgroßen), manche Leute schauen auf die Größe des Verlagsteams oder darauf, ob der Verlag von dem Inhaber hauptberuflich oder nebenberuflich betrieben wird.
Am sichersten fährt man natürlich, wenn ein Verlag auf seiner Homepage eine Eigenbezeichnung vorgibt 😉

Über das Thema „Kleinverlag“ könnte man mehrere Artikel schreiben, daher werde ich in meinem kleinen Überblick gängige Meinungen/Vorurteile aufzählen und kurz differenzieren.

1. Bei Kleinverlagen muss der Autor etwas bezahlen.
–> Falsch.
Viele kleine Druckkostenzuschußverlage begründen so ihre Forderungen bez. Kostenbeteiligung, Mindestabnahme oder Ähnliches auf diese Weise (Kleiner Verlag etc), aber das stimmt nicht. Und egal wie viele DKZs auf ihrer Seite schreiben, dass das „alle“ so machen und dass es üblich ist – ein bisschen Recherche bringt einen auf mehrere hundert Kleinverlage, bei denen das anders abläuft, weil die korrekt arbeiten.

 

2. Bei Kleinverlagen veröffentlichen Autoren, die nicht gut genug für große Verlage waren.
–> Falsch.
Die meisten Bücher aus Kleinverlagen würden tatsächlich keine Chance auf Veröffentlichung in einem großen Verlag haben – das liegt jedoch nicht an der Qualität des Manuskriptes, sondern an der Art, wie die großen Verlage arbeiten. Sie kaufen von deutschen Autoren Manuskripte ein, die einem bestimmten Trend entsprechen und haben ganz genaue Vorstellungen, wie das Buch aussehen soll (z.B.: Genre x, Thema y, Heldenreise-Plot, Love Interest, Happy End, so ähnlich wie Autor abc).
Kleinverlage werden oft als Nischenverlage bezeichnet. Den Begriff halte ich nicht immer für passend; jeder Kleinverlag konzentriert sich auf bestimmte Genre, aber das machen große Verlage ja auch. Die Tatsache, dass ein Buch nicht ganz einem Schema xyz entspricht, sollte es in meinen Augen nicht zu einem Nischenprodukt machen. Aber dieser Aspekt (wollen Leser wirklich immer genau dasselbe Muster, oder wird es einfach soviel gekauft, weil es in der Buchhandlung nur praktisch das gibt?) ist ein Kapitel für sich.
Thema, Genre, Verlauf oder Aspekte eines Buches (keine Liebesgeschichte, f/f- bzw. m/m-Liebesgeschichte, kein Happy End) machen es für eine Veröffentlichung in einem großen Verlag untauglich, nicht die Qualität des Manuskriptes.
Oder anders ausgedrückt: wer gerne ein bestimmtes Genre liest, das gerade nicht so oft publiziert wird, oder von bestimmten Aspekten seines Lieblings-Genres genervt ist, die irgendwie immer dazugehören, sollte sich mal in Kleinverlagen umsehen: in irgendeinem finden sich sicher ein oder mehrere Bücher, die genau diesen Lesegeschmack bedienen.

 

3. Bücher aus Kleinverlagen sind von schlechterer Qualität.
–> Falsch.
Die Kleinverlagsszene ist ziemlich groß und deswegen gibt es da viele verschiedene Verlage (mit hauptberuflichen oder nebenberuflichen Verlegern, mit mehreren gleichberechtigten Verantwortlichen etc). Es gibt auch unterschiedlichen Arbeitsweisen: manche Verleger machen praktisch alles selber, andere kaufen die Leistungen Lektorat/Korrektorat/Covergestaltung/Satz ein, wieder andere „ertauschen“ sich diese Leistung von anderen Leuten.
Dabei gibt es natürlich auch einige, die das schlechter umsetzen. Das muss man als Leser oder Autor vorher in Erfahrung bringen – Covergestaltung/Lektorat/Korrektorat/Satz kann man meist schon online mit den Leseproben in Erfahrung bringen, und wie sich das Buch und die Seiten anfühlen, kann man auf einer Convention oder Buchmesse ausprobieren. (Ich nenne solche Veranstaltungen immer „die größte Kleinverlags-Buchhandlung in Deutschland“, wenn ich eine besuche, weil man eben nur da soviele verschiedene Kleinverlage und ihre Bücher zum Anfassen hat).
Bei meinen gekauften Büchern gibt es übrigens wesentlich mehr von großen Verlagen, über die ich mich ärgere, wegen Tippfehlern, gehäuften Übersetzungsfehlern, weil 50 Seiten an der falschen Stelle im Buch stecken usw.

 

4. Bücher von Kleinverlagen kommen nie in den Buchhandel.
–> Falsch.
Die Bücher liegen natürlich nicht in jeder Buchhandlung aus, aber gerade Bücher mit Regionalbezug haben Buchhandelspräsenz. Auch in anderen Genres werden lokale Autoren schonmal in das Regal gestellt. Und wenn weder der Autor noch die Handlung in der Stadt der Buchhandlung spielen, können Bücher von Kleinverlagen trotzdem im Regal landen, da kommt es immer drauf an, wie weit sich Verleger und Autor bemühen und ob man Glück hat, dass die örtliche Buchhandlung etwas einstellt.
5. Kleinverlage überlassen die Werbung dem Autor.
–> Falsch.
Kleinverlage machen durchaus Werbung – das Ausmaß hängt immer von dem Verlag ab. Flyer oder Lesezeichen zum Verteilen, Freiexemplare für Leserunden bei Lovelybooks, Lesungen usw. gehören zu den gebräuchlichsten Werbemitteln.
Die Autoren bringen sich oft selbst stark ein (fragen in der örtlichen Buchhandlung, ob die das Buch ins Sortiment aufnehmen, machen Lesungen, führen online Werbe-Aktionen durch), dies geschieht jedoch freiwillig.
Autoren, die ihr Debut in einem großen Verlag veröffentlichen, machen praktisch dieselben Dinge. (In großen Verlagen werden die meisten Marketingmittel auf die Spitzentitel verwendet).
Nur zurück lehnen und schreiben macht kein Autor, auch nicht die großen Namen, die hauptberuflich Schriftsteller sind.

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