[Recherche-Reise] Schiffe in Lelystad & Amsterdam

Seit einiger Zeit sammel ich Literatur zur Marine des 17. Jahrhunderts, da eines meiner vielen geplanten Projekte ein historischen Abenteuerroman ist. Auf der Suche nach einem passenden Schiffmodell landete ich schließlich in Lelystad. Und wo ich sowieso schon einmal in den Niederlanden war, habe ich direkt noch einen Abstecher nach Amsterdam gemacht.
Der Weg nach Lelystad war schon eine richtige Irrfahrt. Leider kann ich Niederländer nur sehr schlecht verstehen, selbst wenn sie (meinen dass sie) Englisch sprechen. Also bin ich unterwegs in der Regionalbahn fast verloren gegangen, weil ich nicht verstanden habe, dass ich in einen Schienenersatzverkehr umsteigen muss. Wenigstens sitzt man auch in der Pampa sehr bequem und überdacht 🙂 Und irgendwann bin ich auch endlich in Lelystad  angekommen.
Die Batavia ist ein Segelschiff der Vereenigde Oostindische Compagnie, kurz VOC, und wurde 1628 gebaut. Sie war als Handels- und Transportschiff für Fernreisen gebaut, sank jedoch aufgrund von Navigationsfehlern bei ihrer ersten Reise an den Riffs von Australien. Von 1985 bis 1995 wurde es in Lelystad unter authentischen Bedingungen nachgebaut. Obwohl nahezu ausschließlich mit den technischen Hilfsmittel der damaligen Zeit gebaucht, entspricht das Schiff selbst nicht 1:1 der ursprünglichen Batavia. Es sind nicht ausreichend Zeichnungen und andere Nachweise vorhanden. Sie wurde jedoch getreu nach ähnlichen Bauplänen rekonstruiert.

Am interessantesten war für mich der abgeschottete Bereich im Bugdeck, der die wichtigsten Bereich enthielt (Offizierskajüten, Kapitänsräumlichkeiten, Navigation), zu denen der Durchgang strikt verboten war.
Die (mit ca 2,00 x 1,00 m erstaunlich kleine) Küche lag im Mitteldeck – finde den Fehler!
Die Batavia hatte jetzt zwar nicht mit Meuterern zu kämpfen (beziehungsweise erst an Land, als das Schiff ohnehin in Trümmern lag), aber wer über die Vorratskammer gebietet, hat automatisch die besseren Karten, wenn eine Meuterei ausbricht.

Ich habe die hilfsbereiten Handwerker, die mich herumgeführt haben (die Guides haben nur niederländische Führungen gemacht) ganz schön irritiert, dass ich wie eine Wilde in meinem Notizbuch herumgemalt und gekritzelt habe und jeden Winkel mehrfach abgegangen bin.
Dafür habe ich auf den offiziellen Querschnitts-Zeichnungen einige Fehler gefunden 😀
Beim Ausmessen hat mich zum Glück niemand beobachtet. Wie misst man denn ohne Zollstock? Körpermaß = x Meter

Da es mit den Fotos auf dem Blog zwischendurch immer wieder mal Probleme gibt, habe ich auf meinem Facebook-Account ein Album erstellt.

Nach dem Besuch in Lelystad habe ich mir noch die ‚Amsterdam‘ angesehen, ein Museumsschiff, das zum Schiffahrtsmuseum gehörte. Allerdings war das ziemlich enttäuschend, da fast nichts von dem Innenbau original erhalten war. Drehtüren, Toiletten, Treppenaufgänge usw haben dem Schiff fast sämtliche interessante Sachen genommen. Zur Recherche ist es nicht zu empfehlen.
Dafür war das Schiffahrtsmuseum selbst in Bezug auf Navigation interessanter, wenn auch leider die meisten Dinge erst lange nach dem Jahr meiner Handlung erfunden wurden.

Das Rijksmuseum bot dafür eine überraschende Menge an Militaria dieser Zeit. Besonders beeindruckt haben mich Steinschloßpistolen aus Elfenbein, die vermutlich als diplomatische Geschenke verwendet wurden und vielleicht kein einziges Mal abgefeuert wurden. Funktionstüchtig sollten sie dennoch sein.
Sofort eröffneten sich mir Möglichkeiten, wie ich ein solches Beutestück verwenden könnte. Mein Lebensgefährte vertritt jedoch die Meinung, dass eine Waffe aus Elfenbein nicht so stabil wäre wie eine normale. Sie könnte also nicht besonders oft genutzt werden – vermutlich.
Da wir mit Schußwaffen im Allgemeinen, Steinschloßpistolen im Besonderen und solchen aus Elfenbein sowieso keine Erfahrung haben, konnten wir diesen Streitpunkt nicht klären.
Die Autorin in mir möchte unbedingt eine derartige Beutewaffe verwenden!

Sehr irritiert hat mich die geheime Kirche „Our Lord in the Attic“, von der mir meine Schwestern so vorgeschwärmt haben. Ich habe mir darunter etwas kleines, Verborgenes vorgestellt, ähnlich den Papistenverstecken und geheimen Kapellen in England.
Doch das Ding war riesig! Kirche, Sakristei, Wohnräume und alles Mögliche.
Es muss dem Magistrat auch definitiv bekannt gewesen sein, dass dort ein religiöses Zentrum war – so etwas kann nicht verborgen bleiben. Der Besitzer war aber ein einflußreicher und vor allem reicher Bürger der Stadt. Geld regiert die Welt – oder, wie die Amsterdamer sagen würden, Toleranz und Religionsfreiheit und so weiter. Sie stilisieren ihre Stadt gerne als weltoffen, tolerant und Anlaufpunkt Nummer 1 für Flüchtlinge oder politisch Verfolgte, ob im 17. Jahrhundert oder heute.
Welche Deutung einem auch lieber sein mag – Amsterdam passt wirklich besser als Den Haag als Handlungsort.
Wieder etwas für die Leseliste. Das wird noch eine ganze Weile dauern mit dem Plotten und erst recht Schreiben – erstmal muss ich mich durch meinen Berg an Büchern durchwühlen. Hoffentlich finde ich dort etwas über die Segelrouten, Windrichtungen, Strömungen und so weiter, ich habe nämlich überhaupt keine Ahnung, wie ich dazu Informationen finden soll. Aber falls die Autoren meiner Bücherstapel an so profanen Details kein Interesse hatten, bekomme ich sicher einen Tipp von den Leuten, die mir den Besuch in Lelystad ans Herz gelegt haben.

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